Neujahrsempfang der Gemeinde Möttingen
am 06.01.2011 im Sportheim in Möttingen
 

Folgenden Artikel entnehmen wir den Rieser Nachrichten vom 08. Januar 2011: 

Studie: Landratsamt präsentiert beim Neujahresempfang die Ergebnisse der Seniorenbefragung  

Hohe Zufriedenheit - aber Ärzte und Geschäfte werden vermisst! 

Senioren standen gleich zweimal im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs: als geladene Gäste von Bürgermeister Erwin Seiler und als zentrales Thema der Veranstaltung. Denn das Landratsamt präsentierte die Möttinger Umfrageergebnisse im Rahmen seines Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts (SPGK). 

„Alt werden wollen alle, alt sein will dagegen keiner", stimmte Bürgermeister Erwin Seiler die 150 Möttinger Senioren über 70 Jahre ein, die trotz Blitzeis der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt waren.

Sie hörten engagierte Worte ihres Bürgermeisters, der inhaltlich auf eine Rede von Bundespräsident Köhler aus 2006 zurückgriff. „Alter ist nichts für Feiglinge! Das hat der königlich-preußische Leibarzt Hufeland vor über 200 Jahren gesagt", so Seiler: „Auch wir müssen neue, manchmal unbequeme Wege gehen, um das Alter auch als Chance zu sehen".

In der Tat spricht die Demografie eine klare Sprache: die Jungen werden immer weniger, die Alten immer mehr. Schon 2019 wird es im Landkreis 2500 Einwohner weniger geben, gleichzeitig aber steigt die Zahl der Menschen über 65 Jahre um 3100 Menschen. Das Landratsamt hat daher ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept entworfen, das am 20. Dezember vom Kreisrat einstimmig angenommen wurde. Im Frühjahr soll das Papier an Gemeinden und Einrichtungen verteilt werden „als Leitlinie und Empfehlung, aber nicht als Patentrezept", wie Martin Kollmann vom Landratsamt betont: „Jede Gemeinde muss selbst definieren, wie sie mit den Ergebnissen umgehen möchte." Möttingen sei aber auch eine gewisse Ausnahme, weil die Einwohnerzahl bis 2029 gegen den Trend steigen werde, so Kollmann.

Dies hörte Bürgermeister Seiler mit Genugtuung, denn „Wir müssen und wollen wachsen, deshalb erschließen wir in Möttingen auch eine weitere Siedlung". Die meisten Schwierigkeiten im Alltag haben die Senioren in Möttingen mit Stufen und Schwellen, aber auch im Bad und mit der Toilette.

Im Ort vermisst werden Ärzte, Geschäfte und Fahrdienste. „Die Barrierefreiheit wollen wir bei unseren kommunalen Planungen künftig stärker berücksichtigen, auch über einen Fahrdienst werden wir nachdenken", so Seiler. Gefreut haben dürfte den Bürgermeister die sehr positive Rückmeldung zur Lebensqualität der Möttinger Senioren:

43 Prozent sind sehr zufrieden, 33 meist zufrieden. „Die Lebensqualität ist so, dass sich die Senioren hier wohl fühlen“, bestätigt Kollmann. 

Jüngere Alte sehr engagiert

Überrascht habe Seiler dagegen der hohe Anteil derer, die sich dezidiert nicht ehrenamtlich engagieren wollen: 74 Prozent haben kein Interesse, 69 Prozent leisten keine Hilfe für andere. „Dies hängt sicher auch mit dem hohen Altersdurchschnitt der Rücksender zusammen, er liegt bei 77 Jahren", vermutet Seiler. Die „jüngeren Alten" seien sehr engagiert, zum Beispiel in den drei aktiven Seniorengruppen.

Ihm selbst schwebe nun ein Seniorenbeirat oder ein Seniorenbüro vor. „Aber ganz ohne Leistungsdruck, denn die Älteren haben in ihrem Leben schon genug geleistet."